Konzertlesung

Hans Jürgen von der Wense (1894-1966)

“…weil man alles besitzt. In sich!“

Briefe, Tagebucheinträge und Ausschnitte aus Veröffentlichungen

Werke von v. d. Wense und von Alkan, Bartók, Böhm, Buxtehude, Schubert, Schumann und Sibelius

siehe Termine

Was Hans Jürgen von der Wense für ein Mensch war, ist schwer zu fassen. Schon er selbst hatte es damit nicht leicht: „Sie fragen mich, wer ich sei. Ich will es Ihnen ganz offen sagen: ich bin nichts, garnichts. Ich bin nur ein Dichter und das heisst ein Mensch und das heisst ein Rebell!“ In Antologien und Lexika wird er als Dada-Komponist geführt – oder auch als Wolkenforscher.

Gesichert ist Wenses vornehmliche Tätigkeit, mindestens in der zweiten Hälfte seines Lebens: Wandern. Wandern als Erfahrung, als Welt-in-Erfahrung-Bringen. Es sich erwandern. Nicht zuletzt aber auch durch die Zwischenräume aller gesellschaftlichen Konventionen und dabei aller Zwänge der Zeit hindurchwandern. Ein Werk in Wort, Bild und Ton schaffend, das vor keinem Thema haltmacht und überall Verbindung und Relation entdeckt. Ein Werk von A bis Z.

Seine Musik: Die frühen Stücke aus den 10er Jahren gegen den Strom und die späten aus der Nachkriegszeit auch wieder. Seine musikalische Welt überhaupt ganz eigen zusammengestellt, wie es diesem eigentümlichen Leben gemäß ist.

Die Lesung verfolgt Wenses Lebensweg in seinen eigenen Worten. Von seiner Jugend an bis zum Lebensende, von den Grenzverletzungen der Schulzeit und seinem Selbstbehauptungswillen bis zu den ihm eigenen transzendierenden Antworten, die er gefunden und mit seinem Lebenswandel bezeugt hat. Und diese Antworten sind es, die den Blick auf ihn motivieren: Man kann sich animieren lassen zu sehen, zu hören und wahrzunehmen: das Nächstliegende und das Entfernteste in einer Sichtachse, das Offensichtliche und das innerlich Verborgene übereinandergelegt.

Programm

Hans Jürgen von der Wense Musik für Klavier I-V op. 1
Ich hatte einen Kameraden – Groteske für Klavier
Musik Nr. 13
Lied nach Texten von W. B. Yeats, Bearbeitung für Klavier solo von v. d. Wense
Klavierstück nach Klemm Nr. 1
Charles Valentin Alkan (1813‑1888) aus „Esquisses“ op. 63: Nr. 44 „Transports“
Béla Bartók (1881‑1945) Etüde für Klavier op. 18 Nr. 1
Georg Böhm (1661‑1733) aus Suite f‑Moll: Courante, Ciaconne
Dieterich Buxtehude (1637‑1707) Canzona in d BuxWV 168
Franz Schubert (1797‑1828) Impromptu f‑Moll op. post. 142 Nr. 1, D 935
Robert Schumann (1810‑1856) aus „Gesänge der Frühe“ op. 133: Nr. 3
Jean Sibelius (1865‑1957) aus „Viisi luonnosta“ (Fünf Skizzen) op. 114: Nr. 5 „Metsälaulu“ (Lied im Walde)

Lesung - Stefan Imholz

Klavier - Friedrich Thomas